Es war einmal...eine Schmuckstadt im Nordwesten des heutigen Tschechiens namens Gablonz an der Neiße. Findige Handwerker entwickelten dort im Laufe von Jahrhunderten in Glashütten und Metallschmieden ein Gewerbe, das noch heute weltweit für Christbaumschmuck, innovative Glaserzeugnisse und Modeschmuck bekannt ist: Die Familien Swarovski, Riedel und Porsche stammen ebenso aus dieser Gegend wie unsere Familie.

Die Gablonzer Pioniere betrieben bereits im 17. Jahrhundert mit ihren Glasprodukten einen „Welthandel“. Wagemutige Händler eröffneten die ersten Absatzmärkte in Portugal und Spanien, bald wurde auch Mittel- und Südamerika mit Erzeugnissen aus Nordböhmen beliefert.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich die Gablonzer Perlen und Glassteine eine dominierende Stellung auf dem Weltmarkt erobert. Zu den Exportschlagern gehörten so genannte „Bangles“ – Glasarmreifen für den indischen Markt. Etwa 480 Millionen Bangles wurden jährlich nach Bombay verschifft. Auf der Route Triest-Bombay verkehrte ab 1912 sogar ein eigener Frachtdampfer namens „Gablonz“.

Familie mit Pioniergeist

Die Gablonzer Manufaktur ist aus einem der vielen Familienbetriebe, die gemeinsam diese Erfolgsgeschichte geschrieben haben, entstanden. Seit vier Generationen liegt das Schmuckhandwerk in der Familie, heute wird die Manufaktur von Gabriela Poller-Hartig geführt.

Die Fabrik von Gabrielas Ururgroßvater Josef Scheibler war eines der ersten Werke, das seine Metallpressen mit elektrischem Strom betrieb. Der Pioniergeist ist in der Familie geblieben und mit den Großeltern nach dem Zweiten Weltkrieg nach Österreich gekommen. Der größte Schatz in ihrem Gepäck waren ihre Innovationskraft, ihre handwerklichen Fähigkeiten, das über Generationen vererbte Wissen über die Herstellung von Schmuckwaren aus Metall und Glas und ihre geschäftlichen Kontakte in alle Welt.

Neugründung in Österreich

1948 gründeten die Großeltern von Gabriela ihren kleinen Betrieb in Enns. Kerngeschäft war Weihnachts- und Modeschmuck. Von Anfang an waren die Glassteine der Firma Swarovski fester Bestandteil des hergestellten Schmucks.

In den 1970er-Jahren führten die Eltern, Maria und Rüdiger Hartig, die Erzeugung fort. Über 40 Jahre entstanden jährlich zwei Modeschmuck-Kollektionen, die von den Trends aus Paris und Mailand inspiriert waren. Schon damals war das traditionelle Handwerk mit der permanent geforderten Innovation der Fashion-Branche eng verknüpft.

In der Werkstatt stanzten riesige Exzenterpressen Sterne, Blumen, Münzen oder Abzeichen aus Metallstreifen. Die Werkzeuge dafür wurden im eigenen Betrieb hergestellt. Diese so genannten „Pressungen“ bilden den Grundstock der Gablonzer Schmuckstücke.

Leidenschaftlich widmete sich Rüdiger Hartig der Weiterentwicklung von Christbaumkerzenhaltern. Um das Problem schief stehender Kerzen zu lösen, schuf er ein Kugelgelenk, das das Anpassen an schräge Äste erlaubte. Wachstropfen auf Geschenken und dem Fußboden gehörten damit der Vergangenheit an.

2013 hat sich Gabriela entschieden, mit der Gablonzer Manufaktur in die Fußstapfen der Familie zu treten. Ehemann Markus bringt sein Wissen im Innovations- und Produktmanagement in den Familienbetrieb ein.